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Ökologische Leitlinien

1.0 Einleitung


1.1 Das Menschenverständnis als Ansatz
Grundlagen für die Zielsetzung und Aktivitäten des Kolpingwerkes sind nach unserem Programm Person und Botschaft Jesu Christi, die Katholische Soziallehre und das Wollen und Handeln Adolph Kolpings. Fundament der Katholischen Soziallehre ist das ihr zugrunde liegende Menschenverständnis. Die bisher zweidimensional verstandene Individual- und Sozialnatur des Menschen wurde durch die aktuelle Sozialverkündigung der Kirche zum dreidimensionalen Menschenverständnis auf Individualität, Sozialität und Naturalität erweitert.

1.2 Das dreidimensionale Menschenverständnis
Während Individualität den einmaligen unwiederholbaren Menschen bezeichnet, erfasst Sozialität die Abhängigkeit der Menschen voneinander und die Mitverantwortung füreinander. Naturalität verweist den Menschen darauf, dass er eingebunden ist in die Umwelt und Verantwortung für sie trägt.

1.3 Die Aufgaben des Kolpingwerkes
Das Kolpingwerk als katholischer Sozialverband sieht eine seiner Aufgaben darin, die aus der Naturalität des Menschen erwachsende Verantwortung für die Umwelt seinen Mitgliedern verstärkt bewusst zu machen. Gleichzeitig ist das Kolpingwerk aufgefordert, in modellhafter Weise Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, die der verantwortlichen Bewahrung und Gestaltung der Umwelt dienen, und ökologische Initiativen in die Politik einzubringen.

2.0 Zur Ausgangssituation


2.1 Klimawandel
Der rasante und von Menschen mit verursachte Klimawandel stellt eine der umfassendsten Gefährdungen für die heute lebenden und die nachfolgenden Generationen dar. Der Mensch trägt durch sein Verhalten dazu bei, die Treibhausgaskonzentration ganz wesentlich zu erhöhen. Hauptursachen für den durch Menschen verursachten Anstieg sind die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle, der starke Anstieg des motorisierten Verkehrs und des Flugverkehrs, die durch Menschen vorgenommenen Brandrodungen von Wäldern sowie die Nutzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen im Hauhalt und der Industrie. Alle diese Faktoren sind mitverantwortlich für den Anstieg der globalen Erwärmung der Landoberfläche und der Meere.

2.2 Abnahme der biologischen Vielfalt
Im Verlauf der Erdgeschichte hat es immer wieder Ereignisse gegeben, die zu einer Verringerung der Artenvielfalt geführt haben, wie z.B. Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge oder Eiszeiten. Der aktuelle Rückgang der biologischen Vielfalt ist jedoch ein Massensterben in bisher unbekannter Form und unbekanntem Ausmaß. Gründe für diese Entwicklung sind zum Beispiel der von Menschen verursachte Klimawandel, die massive Abholzung von Urwäldern, Monokulturen bzw. enge Fruchtfolgen verbunden mit hohem Pestizid- und Kunstdüngereinsatz in der industriellen Intensiv-Landwirtschaft, die abnehmende Wasserqualität bei Flüssen, Seen und Meeren sowie der geringe Umfang von Naturschutzgebieten. Mit dem Rückgang der Biodiversität ist auch eine Abnahme der genetischen Vielfalt verbunden. Biologische und genetische Vielfalt sind jedoch die Grundlagen für menschliches Wohlergehen, da sowohl die menschliche Ernährung, die Entwicklungsmöglichkeiten der Medizin und die Vielfalt von Rohstoffen davon abhängig sind.

2.3 Eingeschleppte Arten stören Gleichgewicht
Durch die mit der Globalisierung und den weltweiten Tourismus verbundenen Waren- und Personenströme werden sowohl Pflanzen wie auch Tiere in Gebiete eingeschleppt, wo sie in Konkurrenz mit der bisher dort beheimateten Fauna und Flora stehen. Oft kommt es durch die Einschleppung solcher neuer Arten zu einer Verdrängung angestammter Arten und einer Störung des Gleichgewichtes der Arten.

2.4 Ressourcenverknappung
In unserer Zeit wird Fortschritt und Entwicklung weitgehend mit wirtschaftlichem Wachstum gleich gesetzt. Wirtschaftliches Wachstum ist jedoch mit steigender industrieller Produktion verbunden. Dies wiederum führt zu einem wachsenden Ressourcen- und Energieverbrauch sowie zunehmenden, die Umwelt belastenden Abfällen. Da die Ressourcen jedoch weltweit begrenzt sind, gefährdet die rücksichtslose Nutzung der Ressourcen die Entwicklungsmöglichkeiten zukünftiger Generationen.

2.5 Begrenzte Ressource Bioenergie
Die negativen Folgen der Nutzung fossiler Brennstoffe bei der Energieerzeugung führen zu einer immer stärkeren Nutzung von Bioenergie. Die Produktion von Biomasse kann zwar einerseits den Landwirten zusätzliche Einkommensmöglichkeiten erschließen, sie führt aber durch den großflächigen Anbau von Bioenergiepflanzen zu einem Verlust von tropischen Wäldern, Savannen und Torfmooren mit entsprechenden klimaschädlichen CO2-Emissionen, sowie zu einer Verarmung der Tier- und Pflanzenwelt. Den Vorteilen bei Nutzung der Biomasse zur Energieerzeugung im Hinblick auf ihre Klimaneutralität stehen Nachteile gegenüber, was die Biodiversität, die Umweltqualität, den Wasserhaushalt und die Bodenqualität angeht. Darüber hinaus steht der Anbau von Biomasse zur Energieproduktion in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln, was zu einem gerade die Armen belastenden Anstieg der Lebensmittelpreise führt. Landkonflikte und Menschenrechtsverletzungen gehen häufig mit der Anlage großflächiger Energiepflanzen-Plantagen in Entwicklungsländern einher.

2.6 Weitere Energieträger mit Risiko
In der Atomenergie steht eine im Hinblick auf die Belastung des Klimas unbedenkliche Energiequelle zur Verfügung. Gleichzeitig ist die Nutzung der Atomenergie zur Energieerzeugung jedoch mit hohen Risiken verbunden, da ein Reaktorunfall unabsehbare und für lange Zeit wirkende Schäden verursachen kann und auch die Endlagerung des verbrauchten Materials weltweit nirgends zuverlässig gesichert ist. Jede Endlagerung des verbrauchten Brennmaterials geht nach bisherigen Erkenntnissen mit jahrtausendlang erhöhter Radioaktivität einher und ist weltweit nirgends gesichert. Zudem werden weltweit bereits beim Uranabbau die Anwohnerbevölkerung und die Minenarbeiter einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt, die zu Krebserkrankungen und genetischen Missbildungen führt.

2.7 Gefährdung der menschlichen Würde
Die fortschreitende Entdeckung des genetischen Codes und die damit einher gehenden, zunehmenden Kenntnisse der Biowissenschaften eröffnen auf der einen Seite viele Erwartungen und Hoffnungen, sind auf der anderen Seite aber auch eine Bedrohung der menschlichen Würde. Während auf der einen Seite durch die wachsenden Erkenntnisse die Chancen wachsen, Krankheiten zu heilen und für Kranke das Leben menschenwürdiger zu gestalten, wächst auf der anderen Seite die Gefahr, dass der Mensch in seinen verschiedenen Lebensperioden zum Opfer von Experimenten und Leben zerstört wird. Die Möglichkeiten des Klonens, der gentechnischen Veränderungen der menschlichen Keimbahnen, die Chimärenbildung durch Mischembryonen aus Mensch und Tier stellen eine sehr tief greifende Bedrohung der menschlichen Würde und des Personseins dar.

3.0 Neues Denken ist gefordert


3.1 Die Natur als unsere Mitwelt
Erste Voraussetzung für eine Überwindung der ökologischen Krise ist eine neue Einstellung zu Natur und Umwelt. Der Mensch muss sich darüber klar werden, dass das Schicksal der Menschheit mit dem Schicksal der Natur eng verknüpft ist. Daher muss er seine besondere Verantwortung für die gesamte Umwelt erkennen und entsprechend handeln. Er muss sich frei machen von der Einstellung, welche die Umwelt ausschließlich zum Objekt macht, zugunsten einer Haltung, die von Achtung vor der Natur geprägt ist. Die Natur ist künftig vielmehr als unsere Mitwelt zu verstehen und nicht mehr nur als unser eigener Lebensraum.

3.2 Ein neuer Lebensstil
Die Bewahrung der Umwelt gehört nicht allein in die Verantwortung der Politiker, Wissenschaftler oder Ökonomen. Jeder Einzelne trägt durch sein Verhalten zur Bewahrung oder Zerstörung der Umwelt bei. Entscheidend wird der Lebensstil jedes einzelnen Menschen, seine Einstellung zur und seine Verantwortung für die Umwelt. Der in den Industrieländern weitgehend gelebte Lebensstil mit seiner Ausrichtung auf Bequemlichkeit und Komfort, auf Konsum und hohe Mobilität führt nicht nur zu einem starken Ressourcenverbrauch, sondern ist durch seine Nachfrage auch mitverantwortlich für Umweltzerstörungen gerade in den Teilen der Welt, wo jetzt schon viele Menschen in absoluter Armut leben. Die Umweltzerstörungen in diesen Ländern führen jedoch zur weiteren Verarmung der Menschen dort mit den Konsequenzen einer verstärkten Migration.

Gefordert ist daher ein Lebensstil, der durch einen Respekt vor dem Eigenwert der Natur, den Verzicht auf unnötigen Ressourcenverbrauch, sowie den Geist der Solidarität mit der gesamten Menschheit und den Lebensmöglichkeiten künftiger Generationen geprägt ist.

3.3 Ein ökologisches Bewusstsein
Der Mensch wird diesen Schritt zu einem neuen Lebensstil aus Verantwortung für die Umwelt nur dann tun, wenn ihm bewusst ist, wie sehr sein eigenes Handeln eingebettet ist in die Lebensbedingungen der gesamten Schöpfung. Jeder einzelne Mensch muss sich darum bemühen, die ökologischen Zusammenhänge besser zu erfassen und daraus ein bewusstes ökologisches Handeln abzuleiten. Ein Lebensstil, der mehr auf menschliche Begegnung, soziale Kontakte und kulturelles Engagement setzt, kann nicht nur Ressourcen schonend sein, sondern auch zu erhöhter Lebensqualität führen.

3.4 Ein neues Arbeitsverständnis
Das bewusst ökologische Handeln ist aber nicht nur im privaten Bereich gefordert, sondern auch in der Arbeitswelt. Ausgehend von einem Arbeitsverständnis, nach dem die Arbeit zur personalen Entfaltung des Menschen beiträgt, ein Dienst an der Gesellschaft ist und eine Gestaltung der Umwelt bedeutet, muss die Auswirkung der Arbeit auf die Umwelt stärker berücksichtigt werden. Es ist ein ethisches Erfordernis, die Arbeitsprozesse heute so zu gestalten, dass ein Minimum an Energie eingesetzt und der sparsame Verbrauch von Ressourcen sichergestellt wird. Jeder am Arbeitsprozess Beteiligte trägt Verantwortung für die Vermeidung von Ausschuss und Abfall.

3.5 Ökologische Verträglichkeit der Wirtschaft
Nicht allein die Gestaltung des Arbeitsprozesses und das Verhalten jedes einzelnen in der Arbeitswelt haben Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch die Gestaltung unseres Wirtschaftssystems. Wirtschaft und Technik stehen im Dienst an der Entfaltung des Menschen. So wie der Mensch aber eingebunden ist in die ökologischen Zusammenhänge, hat auch die Wirtschaft diese verstärkt zu berücksichtigen. Die Gesetzgebung hat durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen eine stärker auch an ökologischen Zielen orientierte soziale Marktwirtschaft zu gewährleisten. Dabei kann gerade auch eine ökologisch ausgerichtete Marktwirtschaft mit dazu beitragen neue, dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen.

3.6 Umweltbewusstsein auch in der Freizeit
In immer stärkerem Maße tragen die wachsende Freizeit und die darauf auf bauende Freizeitindustrie zu einer Zerstörung der Umwelt bei. Auch für die Gestaltung der Freizeit ist daher ein Umdenken erforderlich. Die Freizeit muss vom Menschen wieder zu mehr kreativem Tun, zu sozialen Kontakten und zur Regenerierung der menschlichen Kräfte genutzt werden. Auch die Freizeitindustrie muss ökologische Rahmenbedingungen berücksichtigen. Dies setzt beim Einzelnen voraus, dass er auch im Freizeitbereich die regionalen Angebote nutzt und damit keine zusätzlichen Belastungen verursacht.

4.0 Anstöße zum Handeln


4.1 Impulse aus dem Schöpfungsauftrag
Die Bedrohung von Natur und Umwelt ist heute offensichtlich; wenige bestreiten, dass Schutz und Heilung erforderlich sind. Für den Menschen gibt es unterschiedliche Gründe zum Handeln. Für den Christen, Muslim und Juden bekommt der Einsatz für die Umwelt einen zusätzlichen Anstoß aus dem Schöpfungsglauben. Gott hat Himmel und Erde als wohlgeordnetes Werk nach seinem Plan und schöpferischen göttlichen Willen geschaffen. Der Mensch als Gottes Ebenbild hat mit dem Schöpfungsplan die Aufgabe erhalten, Gottes Willen auf Erden zu wahren und durchzusetzen. Als Geschöpf ist der Mensch seinem Schöpfer gegenüber für die ihm anvertraute Schöpfung verantwortlich. Grundlage des christlichen Einsatzes für eine menschenwürdige Zukunft auf einer bewohnten Erde ist der biblische Glaube, dass die Welt eine Schöpfung Gottes ist, der sie erlöst hat und sie vollenden will. So hat der Mensch die Schöpfung zu bewahren, zu pflegen und zu gestalten.

4.2 Das Eigeninteresse des Menschen
Der Mensch hat auch in seinem Eigeninteresse für seine Umwelt Sorge zu tragen. Mit der Zerstörung der Umwelt entzieht der Mensch sich langfristig seine Lebensgrundlagen; kurzfristig löst er gesundheitliche Schäden aus und verliert die Natur als Medium der Erholung. Deshalb darf der Mensch nicht nur auf seine unmittelbare Umgebung blicken, vielmehr ist er in solidarischer Weise verpflichtet, die Auswirkungen seines Handelns zu beachten. Er muss bei seinem Verhalten ethisch verantwortlich abwägen zwischen seinen kurzfristigen Eigeninteressen und der solidarischen Verantwortung für seine Mitmenschen, auch für die Menschen künftiger Generationen und unter Beachtung des Prinzips der Nachhaltigkeit.

5.0 Die besondere Stellung des Menschen


5.1 Im Mittelpunkt der Mensch
Die Ehrfurcht vor allem Leben ist Voraussetzung für ein neues ökologisches Denken. Doch kommt dem Menschen unter den Lebewesen eine Sonderstellung zu, die ihn zugleich zu besonderer Verantwortung verpflichtet. Jedes Geschöpf hat in der Schöpfungsordnung Gottes seine eigene Bedeutung und ist daher auf seine Weise auch Gegenstand der sittlichen Verantwortung des Menschen. Der Mensch ist darüber hinaus auch Gott gegenüber für den Erhalt der Schöpfung verantwortlich. Dabei muss er sich bewusst bleiben, dass Menschsein nur aus der Natur heraus entfaltet werden kann. Der Mensch spielt bei der Verteilung der Lebenschancen in der Natur eine entscheidende Rolle.

5.2 Der Schutz des menschlichen Lebens in allen Lebensphasen
Die besondere Stellung des Menschen in der Schöpfungsordnung verlangt nach einem umfassenden Schutz des menschlichen Lebens in jeder Lebensphase; dies ist teilweise aufgegriffen in den Menschenrechten. Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben: als noch ungeborener, als behinderter und alter und sterbenskranker Mensch.

5.3 Die Sicherung der menschlichen Würde in der Fortpflanzungsmedizin
Infolge der Entwicklung von Medizin und Technik im Bereich der Fortpflanzung kann heute menschliches Leben manipuliert werden. Dabei muss auch bei dem an sich zu unterstützenden Kinderwunsch beachtet werden, dass der Wunsch nach Kindern nicht höher bewertet werden darf als die Menschenwürde. Eine außerhalb des Körpers vorgenommene künstliche Befruchtung ist abzulehnen.

5.4 Die Gefahren der Gentechnologie
Die im Rahmen der regenerativen und der Therapie von Krankheiten auf genetischer Basis gewonnenen neuen Erkenntnisse weisen vielfältige neue Behandlungsmöglichkeiten auf. Die auf der Basis von adulten Stammzellen entwickelten Behandlungswege haben sich als höchst erfolgreich und förderungswürdig erwiesen. Die im Rahmen der Keimbahntherapie vorgenommenen Eingriffe betreffen nicht nur die betroffene Person, sondern auch die eventuelle Nachkommenschaft und damit das einmalige, unwiederholbare Personsein des Menschen und sind daher durch nichts zu rechtfertigen. Dies gilt auch für das reproduktive Klonen. Der Personcharakter menschlichen Lebens verlangt unbedingten Schutz.

6.0 Der Schutz der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren


6.1 Die Bedrohung der Lebenskreisläufe
Die Lebensqualität und Lebensmöglichkeit des Menschen hängt in einem hohen Maß auch von der Vielfalt der ihn umgebenden Pflanzen und Tiere ab. Die Vielfalt des Geschaffenen ist nicht nur Widerschein göttlicher Herrlichkeit, sondern auch Grundlage für ein dauerhaftes Funktionieren der Lebenskreisläufe. Viele Pflanzen- und Tierarten sind jedoch heute durch zunehmende Umweltbelastungen in ihrer Existenz bedroht oder bereits vernichtet.

6.2 Die Erhaltung der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren
Die Vielfalt der Arten von Pflanzen und Tieren bedarf eines besonderen Schutzes durch den Menschen. Die Ausweitung von Natur- und Landschaftsschutzflächen, die Förderung einer ökologisch vertretbaren Landwirtschaft, die Vermeidung schädlicher Belastung des Bodens, von Flüssen, Seen und Meeren sowie der Luft sind daher dringend erforderlich. Auch jede/r Einzelne kann durch sein/ihr Verhalten den Arten- und Tierschutz fördern, indem er/sie den in seiner/ihrer Verantwortung liegenden Teil (Viehhaltung, Felder, Garten, etc.) entsprechend nützt und als Wanderer oder Tourist die bewusste oder unbewusste Zerstörung der Pflanzen- und Tierwelt vermeidet. Auch der Ausbau der Individual-Verkehrsstruktur wie Straßen und Autobahnen trägt zur weiteren Versiegelung natürlicher Lebensräume und zum Artenschwund bei. Durch den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel können die Menschen daher einen Beitrag gegen weitere Zerschneidung artenreicher Landschaften leisten.

6.3 Kein Patent auf Leben
Zu dem Bemühen um die Schaffung eines Ordnungsrahmens für die immer stärker globalisierte Wirtschaft gibt es auch das Bestreben, auf durch makrobiologische und nicht biologische Verfahren hergestellte Pflanzen und Tiere einen Patentschutz zu gewähren. Diesem Bestreben stehen aber die traditionellen Rechte der Landwirte und das anerkannte Menschenrecht auf Nahrung entgegen. Patentgeschützte Pflanzen und Tiere gefährden damit gerade indigene Gemeinschaften und die traditionell arbeitenden Landwirte, da die neu entwickelten und gezüchteten Pflanzen und Tiere oft auf den genetischen Informationen der Tiere und Pflanzen aufbauen, die ihre Lebensgrundlage bilden. Ein Patentschutz auf Leben ist generell nicht akzeptabel.

6.4. Der Tierschutz
Tiere werden bei Tierversuchen und nicht artgerechter Haltung oft in unverantwortlicher Weise gequält. Tierversuche müssen daher auf das minimale, für die medizinische Forschung notwendige Maß reduziert werden. Die Massentierhaltung verursacht großes Leiden der Tiere und ist nicht artgerecht. Die Menschen sollten daher bei ihrem Konsum auf artgerechte, möglichst in ihrer Region erzeugte Tierprodukte achten.

7.0 Der Umgang mit den Ressourcen


7.1 Die Energie
Eine Bedrohung erwächst der Umwelt aus einem verschwenderischen Umgang mit Energie. Der ungebremste Anstieg des Energieverbrauchs hat nicht nur Auswirkungen auf die Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser, sondern führt durch eine allgemeine Erwärmung auch zu klimatischen Veränderungen. Der Einsatz nicht erneuerbarer fossiler Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas) muss daher nicht nur aus Rücksicht auf nachwachsende Generationen, sondern auch aus allgemeinen Gründen des Umweltschutzes dringend eingeschränkt werden. Die nukleare Energieerzeugung stellt ein hohes Sicherheitsrisiko dar und ist daher nur bedingt geeignet, den Ausfall an Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen zu ersetzen. Auch die Nutzung erneuerbarer Energien aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse birgt umweltpolitische Probleme und kann darüber hinaus den Energiebedarf nicht decken. Eine Alternative besteht neben der Einschränkung des Energieverbrauchs in der zukünftigen Nutzbarmachung von Wasserstoff- und Sonnenenergie, sowie Energiegewinnung aus Kernfusion. Eine Einschränkung kann durch technischen Fortschritt, durch Umorganisation wirtschaftlicher Prozesse, wie auch durch Änderung des persönlichen Lebensstils erreicht werden. Ein massiver Ausbau der Erneuerbaren Energien, Investitionen in Effizienzsteigerung und Einsparungen sind vonnöten.

7.2 Die Abfälle und der Müll
Die ständig wachsenden Müllberge und die damit verbundene Belastung für Boden, Wasser und Luft sind unübersehbar. Die Schwierigkeiten bei der Entsorgung werden immer größer. Es ist daher dringend erforderlich, dass Möglichkeiten zur Verringerung, Vermeidung oder besseren Wiederverwendung (Recycling) von Müll gefunden werden. Eine Lösung der Entsorgung durch Export des Mülls in Länder der Dritten Welt bedeutet eine weitere Verletzung der nötigen internationalen Gemeinwohlorientierung unseres Handelns.

7.3 Mobilität und Transport
Die im Vergleich zur Vergangenheit niedrigen Transport- und Reisekosten führen zu einer immer stärkeren Mobilität des Menschen. Diese gewachsene Mobilität ist aber mit einem gewachsenen Ressourcenverbrauch und einer Belastung der Umwelt verbunden. Im Hinblick auf die Bewahrung der Schöpfung und angesichts der Gefahren des Klimawandels muss der Mensch die Möglichkeiten zur Mobilität verantwortlich nutzen und sollte auf möglichst Umwelt schonende Reisemöglichkeiten zurückgreifen und bei seinem Einkauf vor allem von Lebensmitteln auf regionale Produkte achten.

8.0 Handlungsfelder für das Kolpingwerk


8.1 Bildung und Motivation
Ein erster wichtiger und unverzichtbarer Schritt zur Bewahrung der Schöpfung ist die Wahrnehmung der Natur in ihrem Eigenwert. Zunehmend ist sie heute Zerstörungen und Gefährdungen durch das Handeln des Menschen ausgesetzt. Gerade in einer urbaner werdenden Welt ist die Sensibilisierung für die Schönheit und Vielfältigkeit der Natur von großer Bedeutung, um den Einzelnen zu einer Vertiefung seiner Beziehungen zur Natur als Schöpfung und Gabe Gottes zu führen. Dabei muss sowohl die Achtung vor dem Eigenwert der Natur wie aber auch die in Grenzen notwendige ökonomische Nutzung dargestellt und auf die Konsequenzen einer Zerstörung ökologischer Funktionssysteme hingewiesen werden.

Neben der Vermittlung von Einsichten über die Ursachen und die Konsequenzen der Umweltzerstörung muss die Bildungsarbeit aber auch ganz konkrete Kenntnisse vermitteln, wie und mit welchen persönlichen und gesellschaftlichen Initiativen erfolgreicher Umweltschutz geleistet werden kann. Dabei müssen unter Nutzung von neuen Erkenntnissen der Wissenschaft Verknüpfungen von Fragen des Umweltschutzes, der ökonomischen Entwicklung und der weltweiten sozialen Gerechtigkeit die vorrangigsten Handlungsfelder festgelegt werden. Dies entspricht dem Konzept einer nachhaltigen Entwicklung.

Zu den einzelnen Handlungsfeldern gilt es konkrete Vorschläge und Modelle zu erarbeiten, wie der Einzelne seinen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten kann durch Veränderung seines Lebensstils und durch Ressourcen schonende Verhaltensweisen. Die Gemeinschaft des Kolpingwerkes gibt dem Einzelnen bei der Einübung neuer Verhaltensweisen Rückhalt und Orientierung und ergreift selbst Initiativen, die nur gemeinschaftlich umgesetzt werden können, wie die Durchführung von Seminaren, die Herausgabe von Broschüren und Schriften und die Organisation von Veranstaltungen zum Thema.

8.2 Aktionen
Neben der Änderung des Lebensstils jedes Einzelnen braucht es in der Gesellschaft Einübungsfelder für gangbare Wege eines umweltbewussten Handelns und beispielhafte Initiativen von gesellschaftlichen Gruppen. Kolpingsfamilien und Kolpingwerke können durch Landschafts- und Natur schützende Maßnahmen deutliche Zeichen gegenüber der Öffentlichkeit setzen. So, wenn sich Kolpingsfamilien an der Müll- und Abfallbeseitigung und am Recycling von Rohstoffen beteiligen, die Landschaft von Müll säubern, Wiederaufforstungsprogramme starten, die auch die traditionell beheimateten Baumarten umfassen, Maßnahmen gegen die Erosion ergreifen oder Natur schonende Methoden in der Landwirtschaft einführen, wie z. B. den organischen Landbau. Modellhaft ist auch die Unterstützung und Beteiligung an Initiativen zur Entwicklung und Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe, die in der Region vorhandene Rohstoffe und Produkte umfassen und damit nicht nur im Sinne der nachhaltigen Entwicklung Arbeitsplätze schaffen, sondern auch Ressourcen verbrauchende Transporte vermeiden.

8.3 Gesellschaftspolitisches Engagement
Bei aller Bedeutung des Verhaltens des einzelnen Menschen und von ökologisch interessierten Gruppen sind die globalen Umweltprobleme jedoch nur zu lösen, wenn sie begleitet werden von den richtigen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Weichenstellungen. Das Kolpingwerk sieht seine Aufgabe darin, sich in globaler Hinsicht und in einzelnen Teilbereichen soviel an Sachkenntnis anzueignen, dass es an der umweltpolitischen Diskussion sachkompetent teilnehmen kann. In Zusammenarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen bemüht sich das Kolpingwerk um Einfluss auf politische Entscheidungen im Hinblick auf das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Dabei liegt die Lösung nicht in einer allgemeinen Verurteilung des Fortschritts, sondern es gilt eine Ethik des Fortschritts zu entwickeln, die den Anforderungen der Umwelt entspricht, die zukünftige Generation in den Blick nimmt und sich von den Prinzipien einer weltweiten sozialen Gerechtigkeit leiten lässt.

Zusammenfassung

  • Wir anerkennen die besondere Stellung und Verantwortung des Menschen in der Schöpfungsordnung und seine Verantwortung für die Natur als Mitwelt.

  • Wir setzen uns ein für den Schutz des menschlichen Lebens in allen Lebensphasen und die Sicherung der Menschenwürde.

  • Wir unterstützen Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren.

  • Wir fördern einen verantwortlichen Umgang mit der Energie und den Ausbau erneuerbarer Energien.

  • Wir treten ein gegen einen Patentschutz auf Leben.

  • Wir tragen durch unsere Bildungsarbeit dazu bei, die Menschen für einen schonenden Umgang mit der Natur zu sensibilisieren und auf konkrete Maßnahmen gegen die Umweltzerstörung hinzuweisen.

  • Wir initiieren konkrete Aktionen zum Umweltschutz und zur Erhaltung der Artenvielfalt.

  • Wir regen einen nachhaltigen und umweltverträglichen Lebensstil an.


Verabschiedet auf der Generalratstagung des Internationalen Kolpingwerkes am 21. Mai 2010 in Bukoba, Tansania


Arbeitshilfe: Kurzfassung der Ökologischen Leitlinien von Dr. Bayrle-Sick, Kolping-Bildungswerkes Augsburg als Powerpoint-Präsentation


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