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Das Selbstverständnis des Kolpingwerkes als katholischer Laienverband

1. Grundsätzliches

Das Kolpingwerk als katholisch-sozialer Verband ist ein freier Zusammenschluss von Katholiken; berufen durch Taufe und Firmung nehmen sie an der Heilssendung der Kirche teil. Die Mitglieder üben im und durch den Verband ihr gemeinschaftliches Apostolat in von ihnen selbst bestimmten Lebens-, Berufs- und Sachbereichen aus. Der Zusammenschluss der Mitglieder ist Ausübung der Versammlungs- und Koalitionsfreiheit (Laiendekret Nr. 15, 18 u. 19 und CIC cc 215, 299, 321-329).

2. Teilhabe am Apostolat

Grundlagen für die Zielsetzung und Aktivitäten des Kolpingwerkes sind:

  • die Person und Botschaft Jesu Christi,
  • die Katholische Soziallehre und
  • das Wollen und Handeln Adolph Kolpings

Das persönliche Bekenntnis zu Jesus Christus und der gemeinsame Glaube an ihn sind Grundlage und Ziel für ein bewusstes Handeln der Mitglieder. Auf dem Weg zu diesem Ziel bietet das Kolpingwerk als familienhafte Gemeinschaft Hilfe und Orientierung; Suchende will es bei ihrer Glaubensentscheidung fördern.

Der Verband ist sich bewusst, dass die Selbst- und Mitverantwortung im Welt- und Heilsdienst nur in inniger und lebendiger Gemeinschaft mit der Kirche wahrgenommen werden kann und dass seine spirituelle Wurzel in der Kirche liegt. Diese Verwurzelung immer wieder zu betonen und bewusst zu machen, ist Aufgabe aller Leitungsgremien und zugleich Fundament dafür, offen zu sein für den Dialog und die Zusammenarbeit mit den Menschen anderer Religionen.

Bei der Erfüllung dieser Aufgabe kommt den im Verband mitarbeitenden Priestern eine große Bedeutung zu. Das Kolpingwerk hat daher seit seiner Gründung eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Laien und Priestern angestrebt und verwirklicht. Das Kolpingwerk braucht auch für die Zukunft die aktive und engagierte Mitarbeit von Priestern und fordert vom kirchlichen Amt auch in Zeiten des Priestermangels die Bereitstellung geeigneter und wohlausgebildeter Priester für die Mitarbeit im Verband.

3. Weltdienst: Aufbau einer zeitlichen Ordnung

Den Laien kommt eine besondere Verantwortung zu beim Aufbau der zeitlichen Ordnung. Entsprechend der richtigen Autonomie der irdischen Wirklichkeit wirkt das Kolpingwerk eher aus eigener Initiative und in eigener Verantwortung. Es lässt sich leiten vom Licht des Evangeliums und vom Geist der Kirche.
Das Kolpingwerk als vielfach gegliederter Zusammenschluss von Menschen steht unvermeidlich in vielfältigen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Dies gilt sowohl für jedes einzelne Mitglied wie auch für den Verband als Organisation.

In Berufung auf Adolph Kolping und entsprechend dem eigenen Selbstverständnis sieht das Kolpingwerk in dieser Einbindung in die Gesellschaft Chance und Aufgabe. Der Aufbau einer menschenwürdigen Gesellschaft verlangt von den Mitgliedern wie vom Verband ein aktives Handeln und Mitgestalten. Das Kolpingwerk sieht daher eine wesentliche Aufgabe darin, seine Mitglieder zu verantwortlichem Mitdenken, Mitsprechen und Mithandeln anzuregen und zu befähigen.

Grundlage für Mitwirkung und Mitgestaltung an einer menschenwürdigen Gesellschaft ist für das Kolpingwerk die Katholische Soziallehre. Diese gibt darüber Aufschluss, wie eine der christlichen Auffassung vom Menschen entsprech- ende soziale Ordnung aussehen soll. Aus der Katholischen Soziallehre, wie sie in den Sozialenzykliken beschrieben und in den Beschlüssen regionaler und nationaler Bischofskonferenzen konkretisiert ist, erhalten die Mitglieder Antwort auf die Frage, an welchen Wert- und Zielvorstellungen sie sich zu orientieren haben, um ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

4. Schwerpunkt als Profil

In der Arbeit des Kolpingwerkes finden alle Lebensbereiche des Menschen in ihren vielfältigen Zusammenhängen und Wechselwirkungen ihre Berücksichtigung. In der familienhaften und lebensbegleitenden Gemeinschaft soll sich der einzelne mit all seinen Interessen und Bedürfnissen einbringen und Anregung und Hilfestellung für seine Fragen und Probleme erhalten können.

Die Bereiche Arbeit und Beruf sowie Ehe und Familie haben in der geschichtlichen Entwicklung des Kolpingwerkes immer eine besondere Bedeutung gehabt. Die aktuellen Verhältnisse verlangen erst recht eine Schwerpunktsetzung in dieser Richtung.

In besonderer Weise weiß sich das Kolpingwerk als internationaler Verband herausgefordert zur Solidarität mit allen Völkern. Die Kluft zwischen den Industriestaaten und den sogenannten Entwicklungsländern ist immer größer und zur Internationalen Sozialen Frage unserer Zeit geworden. So, wie das Kolpingwerk in der Geschichte an der Lösung der Sozialen Frage in Europa mitgewirkt hat, bemüht es sich heute, an der Lösung der Internationalen Sozialen Frage mitzuwirken.

5. Mitwirkung und Mitverantwortung in der Kirche

Das Kolpingwerk versteht sich als Teil des Gottesvolkes und trägt deshalb auch Mitverantwortung für die Kirche. Das Kolpingwerk ist bereit, auf allen Ebenen in den neugeschaffenen bzw. neu zu schaffenden Gremien der Mitverantwortung gemeinsam mit dem kirchlichen Amt an der Leitung der Kirche mitzuwirken und sich aktiv an den jeweiligen Initiativen und Aufgaben zu beteiligen. Von Vorteil ist dabei die verbandliche Gliederung in Kolpingsfamilien und Diözesanverbände, insoweit sie der regionalen kirchlichen Gliederung in Pfarrei und Bistum entspricht.

6. Laienapostolat: Vielfalt in der Einheit

Als kirchliche Strukturen in der Gesellschaft und als gesellschaftliche Strukturen in der Kirche verstärken die Verbände die Wirksamkeit des einzelnen in der Welt und bringen Lebensformen, Entwicklungen und Aufgaben der Gesellschaft in die Kirche ein. In ihnen verbünden sich Laien als Zeugen Christi in Wort und Tat, um den Glauben zu leben, zu verbreiten und zu verteidigen.
Das Kolpingwerk erkennt die Notwendigkeit an, die vielfältigen Formen des Laienapostolats zu koordinieren. Dabei müssen die Vielfalt der Geistesgaben und die auch in der Kirche notwendige und anerkannte Pluralität berücksichtigt werden. Ein vielfältiges Laienapostolat ist für die Kirche eine Bereicherung. Das Kolpingwerk ist zur Zusammenarbeit mit anderen Kräften des Laienapostolates bereit, wenn dadurch die Freiheit des Verbandes zur selbstverantwortlichen Entscheidung über die Schwerpunkte seiner Arbeit nicht in Frage gestellt wird.


Beschluss der XXVII. Generalversammlung am 29. Mai 1987.


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