Seit vielen Jahren verbessert Kolping in Togo und Benin die Lebensbedingungen der Menschen und stärkt ihre Eigenständigkeit. Wie wirksam die Hilfestellungen der beiden afrikanischen Verbände sind, erlebte unsere Fundraising-Mitarbeiterin Stefanie Korndörfer bei einem Projektbesuch. Ihre Erkenntnis: Schon kleine Impulse können große Veränderungen anstoßen.
Die Luft flimmert, Motoren knattern. Schon zu Beginn unserer Reise fällt auf, wie vieles gleichzeitig fehlt: befestigte Straßen, Strom, der verlässlich ist. Eine Müllentsorgung, die ihren Namen verdient. Und doch ist überall Bewegung. Zum ersten Mal bin ich für Kolping in Togo und Benin unterwegs. Gemeinsam mit meiner Kollegin Larissa Josowic, Länderreferentin für Togo und Benin, treffe ich Kolpingsfamilien, um persönlich zu erleben, wie Kolping wirkt. Überall begegnen uns Menschen, die zeigen, wie Veränderung beginnt: mit Mut, Gemeinschaft und neuen Ideen.
Ein Brunnen verändert das Dorf
In Ahépé treffen wir Raissa Nodjo. In ihrem Dorf hat KOLPING Togo mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 2025 einen Brunnen gebaut. Aus 189 Metern Tiefe fördert er Wasser für hunderte Raissa Nodjo aus Togo ist überglücklich, dass ihre Kinder dank des Tiefbrunnens nun sauberes Wasser trinken können und weniger krank sind. „Seit der Brunnen da ist, sind unsere Kinder viel seltener krank“, berichtet die 34-jährige Mutter von fünf Kindern. Auch wirtschaftlich hat der Brunnen viel verändert. „Früher konnten wir wegen des Wassermangels nicht genügend Palmöl produzieren“, so die Kleinbäuerin. „Jetzt können wir viel mehr Öl herstellen und verkaufen.“ Später in Benin wird uns richtig bewusst, welche Kraft ein sicherer Wasserzugang haben kann: In einem Dorf hören wir, dass früher Kinder beim Wasserholen vom Fluss mitgerissen wurden. Das ist heute zum Glück vorbei.
Empowerment für Frauen
Während Wasser Leben schenkt, gibt Bildung Selbstbewusstsein, besonders den Frauen. Einige Dörfer weiter, in Vogan, besuchen wir eine der neu gegründeten Frauengruppen. KOLPING Togo hilft den Frauen dabei, landwirtschaftlich erfolgreich zu werden. Sie lernen, eigenes Einkommen zu generieren und somit unabhängiger sowie selbstbewusster zu werden. „Früher hatte ich kaum den Mut, vor anderen zu sprechen“, erzählt uns Afi Doussou. Zusammen mit anderen Frauen hat sie in Kolping-Workshops gelernt, innerhalb des Verbandes und der Gemeinschaft aktiv aufzutreten und auch Verantwortung zu übernehmen. „Ich habe gelernt, Konflikte anders zu lösen. Das hat mein Leben verändert, in der Familie und im Dorf“, berichtet sie. Seitdem hat sich auch in ihrer Familie vieles verändert. So gelingt die gezielte Stärkung von Frauen, die bis in die Gesellschaft hinein wirkt.
Mehr Ernte und mehr Teilhabe
Unterwegs sprechen wir mit vielen Bäuerinnen und Bauern. Sie berichten uns von unberechenbarem Regen und schlechten Ernten, mit denen sie kämpfen. Kolping zeigt ihnen neue Anbaumethoden. Mit Erfolg: Überall begegnen wir Kolpingmitgliedern, deren Ernten sich vervielfacht haben. Piabalo Mouzou aus Landa bestätigt das. Früher wusste der 37-Jährige oft nicht, wie er seine Kinder satt bekommen sollte. „Es gab Tage, da hatten wir einfach nicht genug zu essen.“ Jetzt wächst auf seinen Feldern genug für alle. Eine dringende Sorge aber bleibt: die Wasserversorgung. „In der Trockenzeit müssen wir vier Kilometer fahren, nur um einen Kanister Wasser zu holen. Ein eigener Brunnen würde unser Leben verändern.“ Wer den nächsten Entwicklungsschritt gehen will, schließt sich Kooperativen an, wie es sie in Togo mancherorts gibt. Gemeinschaften, in denen Menschen zusammen wirtschaften und voneinander lernen. Die Mitglieder teilen ihr Wissen und werden für Banken kreditwürdig. Und sie können staatliche Fördermittel oder Maschinen beantragen. Kolping begleitet sie darin und hilft, bürokratische Hürden zu überwinden. Für viele Menschen beginnt damit auch ein formaler Weg in die Teilhabe: Wir dürfen dabei sein, als Komi Babale stolz seinen neuen Personalausweis vor dem ganzen Dorf hervorzieht. Ein berührender Moment! Mit 47 Jahren ist der Kleinbauer erstmals offiziell registriert. Jetzt kann er der Kooperative beitreten. Das verleiht ihm eine nie gekannte Würde, die ihm anzusehen ist.
Kleine Netze, die tragen
Was in allen Begegnungen nachklingt: Nachhaltige Veränderung entsteht dort, wo Menschen sich zusammenschließen und gegenseitig stärken. Kolpingsfamilien sind solche Netze: nicht immer perfekt, aber verlässlich. Sie vermitteln Wissen, schaffen Orientierung und geben Menschen die Kraft, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Immer wieder haben wir gesehen, dass schon kleine Impulse Großes bewirken können. Dass es diese Impulse gibt, ist den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern in Deutschland zu verdanken. Jede Spende ist ein Beitrag, der neue Wirklichkeit für die Menschen schafft.












